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The King´s Speech
Premiere während der Berlinade - Ein Bericht von Frauke Kern (ivs)
Am Premiereabend des Films „The King’s Speech“, dem 16.2.2011, herrschten Minusgrade in Berlin. Anja Herde (Stottererselbsthilfe Berlin), Julia Greither (Logopädin) und ich (Logopädin, 2. LV dbl Berlin) trafen uns vor dem Friedrichstadtpalast in Mitte, um Flyer der Selbsthilfe und des dbl anlässlich des Films zu verteilen und Gespräche mit Wartenden zu führen. Viele Menschen waren unterwegs, waren wegen der Promis gekommen, wollten Colin Firth (Darsteller von King Georg VI) oder Tom Hooper (Regisseeur) auf dem roten Teppich entlang flanieren sehen. Viele hatten auch Karten für den Film – wir leider nicht.
Die Menschen drängten sich an der Abendkasse, am Geländer zum roten Teppich oder vor dem VIP-Eingang, Fotoapparate blitzten, die Stimmung war euphorisch !
Die Berlinale bezaubert immer wieder auf’s Neue durch den besonderen Flair von Grandezza- und Hollywood-Feeling, das alle erleben und feiern wollen. Wir waren gespannt darauf, wie die Leute wohl reagierten, wenn wir versuchen würden, Flyer loszuwerden oder Einzelne sogar in ein kleines Gespräch zu verwickeln, denn: Wir Berliner sind Flyer verteilen gewohnt und reagieren darauf meist entweder gar nicht oder etwas genervt. Heute Abend schien alles anders. Die Menschen waren offen für das Thema, ja teilweise sprudelte es nur so aus ihnen heraus, sie ließen ihren Gedanken freie Fahrt, fragten nach, ließen sich beraten oder auch - Mut machen:
-„T-t-tut mir leid, äh, ich st-st-stottere eigentlich n--------icht ! – Na gut, doch, aber i-i-ich stottere schon so lange – da k-k-kann man wohl n----ichts mehr machen – oder ?“ (ein auf die Schauspieler Wartender)
-„Ich habe einen Schüler gehabt, der hat immer nur im Unterricht gestottert – nicht auf dem Schulhof, komisch…naja, ich habe ihm dann eine Therapie empfohlen.“ (Gymnasiallehrerin)
-„Ich stottere auch, hör mal, weil es hier so aaaarschkalt ist, hähä !“ (frotzelnder Zeitungsfotograf)
-„Komm schon, sag mir, was ich mit meiner Zunge anders machen muss, dann hör ich auf zu st-st-ottern, hihihi !“ (Kollege des Zeitungsfotografen)
-„Ich habe den Film schon zuhause in London gesehen und möchte ihn heute Abend meiner Frau zeigen. Und dann schau ich ihn mir noch in der deutschen Fassung an, weil ich wissen möchte, ob der deutsche Synchronsprecher auch so gut stottert. Das Thema und der Film haben mich sehr berührt, das ist ein toller Film !“ (älterer Herr aus London am VIP-Eingang)
-„Vielleicht gebe ich den Flyer meinem Arbeitskollegen – wenn ich mich traue !“ (Wartende an der Abendkasse)
-„Was – in dem Film geht es ums Stottern ? Nee, ich gehe nur wegen Colin Firth da rein, die Handlung ist mir egal !“ (Wartende am roten Teppich)
-„Der Film interessiert mich gar nicht – ich will nur Colin sehen !“ (Wartende am roten Teppich)
-„Ich wollte eigentlich mit meinem stotternden Kumpel herkommen, aber ausgerechnet heute ist er nicht in Berlin. Vielleicht kennt Ihr ihn ja: Axel Pichotka !?“ (Freund des uns wohlbekannten ehemaligen 1. Vorsitzenden der Stottererselbsthilfe in Berlin)
-„Nö, ich kenne niemand, der stottert – oder, wart mal – ich glaube doch, mein ehemaliger Arbeitskollege, der stottert ein bisschen – glaub ich…“ (Wartende an der Abendkasse)
Julia musste nach Hause, weil ihre Erkältung ihr zu schaffen machte, Anja konnte einem netten Kerl noch eine Karte abluchsen und ich bekam tatsächlich noch eine Karte geschenkt ! Im Kinosaal saß ich zwischen einer ägyptischen Physiotherapeutin und einem britischen Linguisten, der so gern Logopäde geworden wäre… und die Gespräche gingen weiter bis die Lichter im Saal erloschen und sich der Vorhang auftat.
Selten habe ich eine derart aufgeschlossene Gesellschaft vorgefunden wie an diesem Abend.
Vor zwei Tagen habe ich den Film noch einmal mit meiner Familie auf Deutsch gesehen. Die Kinobesucher haben im Anschluss lange applaudiert – das ist ungewöhnlich, selbst für Berlin.
Ich bin überzeugt, dass dieser Film schon jetzt die Betroffenen als auch uns StottertherapeutInnen durch das internationale Podium im enttabuisierenden Umgang mit der Thematik Stottern unterstützt.


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